Dokumente: 1931-03-28 Notiz über Lohntüte

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Über die Herkunft der Lohntüte

Detailinformationen

Datum

28.04.1931

Ort

München

Art des Dokumentes

Vermerk

Verfasser

Friedrich Tenner, Polizeidirektor München I
Martin Riedmayr, Kriminalinspektor
August Fauss

Verfasst für

Quelle

Staatsarchiv München, PolDir 8091b

Inhalt

Eingeschriebenes Päckchen

Mit Hauptakt A 169/22

An den Herrn Oberstaatsanwalt
Bei dem Landgerichte
Neuburg a. Donau

Mit dem ergebensten Ersuchen um Äußerung.

Falls sich die Lohntüte unter den dort asservierten Gegenständen befindet, bitte ich um ihre Übersendung. Ferner ersuche ich um Mitteilung, ob sich der Name:“Scheppach“ in der dort geführten Liste über die Sonderakten befindet. Gegebenenfalls bitte ich auch um Übersendung der einschlägigen Aktenprodukte und der Akten über den Verdacht gegen Anton und Karl Bichler.


München, den 12. April 1931
Polizeidirektion
I.A.

gez. Tenner gez. Riedmayr




I. Der Herr Oberstaatsanwalt bei dem Landgerichte Neuburg a.D.
Hat am 23.4.31 die Akten A 189/22 u. 193/22 zur Kenntnisnahme hierher geleitet. Wie aus den Akten A 193/22 hervorgeht, wurde die Herkunft der Lohntüte bereits einwandfrei geklärt.

Das Polizeiamt Ingolstadt hat am 18.4.22 an die Staatsanwaltschaft Neuburg a. Donau folgendes berichtet:

Der verh. Maschinenschlosser Rupert Scheppach, beschäftigt im Reichshüttenwerk (ehem. Geschoßfabrik), wohnhaft hier, Magazinstr. 6, darüber befragt, unter welchen Umständen seine Lohntüte nach Hinterkaifeck kam, erklärte folgendes:

Ich kam im Jahre 1919 und 1920 öfter nach Hinterkaifeck zum Hamstern. Ich habe dort ständig wenn ich als Hamsterer vorsprach etwas erhalten. Einmal hat mich der Bauer ersucht ich soll sein Gewehr nachsehen, da an demselben etwas fehlte. Ich habe dann das Gewehr nachgesehen u. gefunden, daß dasselbe einen neuen Zündkegel braucht. Ich habe dann dem Bauern erklärt, daß ich ihm das Gewehr richten werde, wenn ich wieder zu ihm komme. Er ersuchte mich dann auch, daß ich ihm Schrotkörner besorgen soll, was ich ihm auch versprach. Ich fuhr dann nach einiger Zeit wieder nach Hinterkaifeck und habe auf das Gewehr einen neuen Zündkegel aufgeschraubt. Auch besorgte ich die Schrotkörner und nahm sie, in meiner Lohntüte verpackt, mit zu dem Bauern. In meiner Begleitung befand sich damals der verh. Schlosser Georg Stadler, wohnhaft hier, Harderstr. 13. Es war dies vor ca. 2 Jahren. Seit dieser Zeit bin ich nicht mehr nach Hinterkaifeck gekommen. Ich bin mit den Bewohnern von Hinterkaifeck lediglich durch meine Hamsterfahrten bekannt geworden. Daß ich am 31. März und 1. April gearbeitet habe, kann in der Lohnrechnung meiner Arbeitsstelle (Reichshüttenwerk) festgestellt werden.

Personalien: Scheppach Rupert, Maschinenschlosser, geb. 31.5.1880 zu Altensittenbach B.A. Hersbruck, als Sohn der Bahnbediensteten Eheleute Anton u. Rosa Scheppach, geb. Gay, kath. Verh. Mit Anna, geb. Vogt, wohnhaft hier, Magazinstr. 6.

Scheppach ist verheiratet und hat eine bereits erwachsene Tochter. Derselbe ist im Reichshüttenwerk hier als Maschinenschlosser beschäftigt und verdient wöchentlich 560 M. Er ist im Jahre 1914 von Zürich (Schweiz) nach Ingolstadt verzogen und seitdem in der ehemaligen Geschoßfabrik nunmehrigen Reichshüttenwerk beschäftigt.

Scheppach wird von seinen Vorgesetzten als ein tüchtiger, ruhiger u. fleißiger Arbeiter geschildert. Über dessen Ruf, Führung und Leumund ist diesseits Nachteiliges nicht bekannt.

In der Lohnrechnung des Reichshüttenwerkes wurde festgestellt, daß Scheppach am 31. März u. 1. April 1922 gearbeitet hat.

Der verheiratete Schlosser Georg Stadler bestätigte die Angaben des Scheppach bezüglich Hinterkaifeck voll und ganz.

II. Die Akten A 189/22 und A 193/22 wurden an den Herrn Oberstaatsanwalt bei dem Landgerichte Neuburg a. Donau zurückgeleitet.

III. Zum Sammelakt: Sechsfacher Mord in Hinterkaifeck i.d. Dst.2


München, den 28. April 1931
Polizeidirektion
I.A.

gez. Fauss gez. Riedmayr

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