Dokumente: 1922-04-14 Nachforschungen: Wilhelm Dressel

Detailinformationen

Ergebnisse der Nachforschungen nach dem Verbleib Wilhelm Dressels

Datum

14.4.1922

Ort

Augsburg

Art des Dokumentes

Schreiben

Verfasser

Jaser

Verfasst für

Quelle

Bayerisches Armeemuseum (im Original zur Zeit in der Sonderausstellung "Mythos Hinterkaifeck" zu sehen)

Inhalt

Augsburg, den 14. April 1922

Betreff:
Raubmord in der Einöde Hinterkaifek,
Gemeinde Wangen, B.A. Schrobenhausen

I. Bezugnehmend auf die beiliegende Zuschrift der Pol. Dir. München, wird berichtet:
Dressel Wilhelm, led. Kraftfahrer, geb. 21.8.1900 zu Schrobenhausen, ist noch am Leben und ist von einem Unglücksfalle, wobei er ertrunken sein soll, nichts bekannt. Es ist ein sehr leichtsinniger Bursche und geht jeder ehrlichen Arbeit aus dem Wege. Er machte seinen Eltern schon viel Kummer.
Aus der Einwohnerliste geht hervor, dass Dressel von 19.4.17 - 14.1.20 gedient hat. Er war freiwillig bei der russ. Westarmee, woselbst er beim 3.kurl.Inf.Reg. gedient hat. Im Jahre 1920 war er bei der Radf.Komp. 42 als Kraftfahrer.
Fachkenntnisse und Dienstesinteresse war sehr gering, ausserdem legte er ein leichtfertiges Benehmen an den Tag und wurde er deshalb entlassen.
Im Jahre 21 trat er bei der Landespolizei in Augsburg ein. Dort wird er wiederum als leichtsinniger Bursche geschildert, weshalb auch dort seine Entlassung erfolgte. Hierauf soll er sich nach Oberschlesien begeben und der Gruppe "Süd-Oberschlesien" als Kr.Oberwachtmeister angehört haben. Nach einem Berichte der Polizeibeh. Breslau war Dressel bei einer Privatarbeitsgemeinschaft "Laube" in Breslau tätig. Dort nannte er sich auch Hohenstein. Er gab sich auch als Leutnant aus.
Er war auch beschuldigt in der Mordsache G a r e i s verwickelt gewesen zu sein. Er wurde jedoch festgestellt, dass er nicht in Frage kommt. (Bericht der Pol.Dir.München vom 14.11.21)
Am 17.12.21 wurde Dressel in Freilassing festgenommen. Er wurde beschuldigt, als Angehöriger der Nachrichtenzentrale des Freikorps Oberland in Oberschlesien mit einem gewissen verm. Polizeikom. Friedrich, auch Hauptmann Fischer genannt, einem Josef Gump u. Mussweiler, 9 Morde verübt zu haben. Er wurde dem A.G. München überstellt und am 22.10.21 aus der Haft entlassen. Er stellte die Anschuldigungen in Abrede. (Bericht der Pol.Dir.München vom 14.11.21.) Dressel führt ein regelrechtes Hochstaplerleben, jedoch wusste er sich bis jetzt immer aus der Schlinge zu ziehen. In den letzten Wochen woll er bei der Landespolizei in Ansbach tätig gewesen sein. Seinen Vater den Landgerichtsoffizianten Hans D r e s s e l, wohnhaft Rugendasstr. No 1/o dahier, machte er dies vor.
Vor etwa 4-5 Wochen hielt er sich hier unangemeldet auf. Zu seinen Eltern kam er nur ab und zu. Er verkehrte hier in verschiedenen Wirtschaften, machte kleinere Zechen, die sein Vater bezahlte. Nach den Erhebungen war er fast immer alleine, es heisst mit ihm wollte niemand etwas zu tun haben.

Nach Aussage seines Vaters kam er am 10.4.22 vormittags nach Hause. Er brachte vor, dass er wieder nach Russland fahren werde. Im Beisein seines Vaters löste er eine Fahrkarte nach Torn. Seitdem ist er verschwunden und sein Aufenthalt vollständig unbekannt. Da er sonst nie Geld hatte tritt unwillkürlich die Frage auf, woher er auf einmal soviel Geld hat. Die Fahrt nach Torn bezahlte er selbst; sein Vater hat ihm kein Geld gegeben. Möglich ist aber auch, dass Dressel seine Abreise markierte. Es ist auch seinem Vater nicht recht viel Glauben zu schenken, denn er hilft seinem Sohne wo er kann.
Mehrere Personen, die den Dressel kennen und mit ihm ab u. an verkehrten erklärten, dass sie ihn in den letzten Wochen nicht mehr gesehen haben. Die Kr.Polizei A n s b a c h wurde telephonisch ersucht bei der Landespolizei feststellen zu lassen in welcher Zeit Dressel dort war.
Laut Mitteilung der Kr.Polizei Ansbach ist Dressel am 31.3.22 bei der Landespolizei in Ansbach entlassen worden und hat er sich an diesem Tage noch in Ansbach aufgehalten.
Wo sich Dressel am 1.4.22 aufgehalten hat konnte nicht festgestellt werden.

Jaser