Berichte: 1922-09-09 Bericht Staatsanwaltschaft Neuburg a D.

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Bericht der Staatsanwaltschaft Neuburg a.D.

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Quelle

Staatsarchiv München

Detailinformationen

Datum

09.09.1922

Ort

Neuburg a.D.

Autor/Funktion

J.V.

Inhalt

Bericht der Staatsanwaltschaft Neuburg a.D.

Neuburg a.D., den 9. September 1922

Betreff: Sechsfacher Raubmord in Hinterkaifeck

Auch die seit dem Bericht vom 12. Mai 1922 gepflogenen Erhebungen waren bisher ohne Erfolg. Es laufen wohl noch fortgesetzt Anzeigen ein, die den Verdacht auf eine oder mehrere Personen lenken; im ganzen bisher 65. Alleine die Verdächtigungen haben sich meist von vorneherein nach längeren oder kürzeren Erhebungen als haltlos erwiesen; in einigen Fällen ist das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

In einem Falle wurde ein Brüderpaar Andreas und Karl Schreier von Sattelberg (2 Stunden südl. v. Schrobenhausen) in Haft genommen. Von diesen war Andreas schon von einem früheren Mitgefangenen verdächtigt worden, dann soll auch nach Mitteilung einer Nachbarin die Mutter der Brüder bei einer Mission einem Pater gebeichtet haben, ihre Söhne, insbesondere Andreas wäre beteiligt gewesen. Allein die Erhebungen ergaben keinerlei sichere Verdachtsmomente. Im Gegenteil muß der Alibibeweis, freilich meist auf Grund von Verwandtenaussagen, als erbracht angesehen werden. Es handelt sich auch hier wohl um Weiber- und Gefangenengeschwätz. Der Haftbefehl mußte mangels dringender Verdachtgründe aufgehoben werden. Das Ermittlungsverfahren wird noch weiter geführt.

Kürzlich ist auch wieder der schon in den früheren Berichten genannte Ortsführer Schlittenbauer in Verdacht gezogen worden, allerdings ohne bestimmte Anhaltspunkte. Offenbar wird in der Gegend immer noch von seiner Täterschaft gesprochen. Ich habe trotz der Unwahrscheinlichkeit seiner Täterschaft das Ermittlungsverfahren gegen ihn wieder aufgenommen und Erhebungen eingeleitet, die noch im Laufe sind.

Der im letzten Bericht genannte Bärtl ist bisher trotz wiederholten Ausschreibens nicht aufgefunden worden. Er soll einem Gerücht zufolge in die Fremdenlegion eingetreten sein.


J.V.

Unterschrift

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