Berichte: 1922-04-10 Renner Ferdinand, Staatsanwalt: Unterschied zwischen den Versionen

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Ich selbst bekam von der Tat erst am 5. ds. Mts. gegen ½ 9 Uhr durch die Gend. Schrobenhausen Mitteilung.
Ich selbst bekam von der Tat erst am 5. ds. Mts. gegen ½ 9 Uhr durch die Gend. Schrobenhausen Mitteilung.


Der Mord war erst am Abend vorher ruchbar geworden, als [[Personen: Die Auffindungszeugen | Nachbarn]] aus der Ortschaft [[Orte: Gröbern|Gröbern]] unter Führung des Ortsführers [[Personen: Schlittenbauer Lorenz | Schlittenbauer]], durch die Abwesenheit [[Personen: Die Opfer von Hinterkaifeck | der Hofbewohner]] und das Brüllen des verlassenen [[Sachverhalte: Das Vieh auf Hinterkaifeck | Viehs]] stutzig gemacht, in das [[Sonstiges: Der Hof Hinterkaifeck | Anwesen]] eindrangen; am gleichen Abend wurde noch Amtsgericht und Gendamerie Schrobenhausen verständigt. Auch die Polizeidirektion München war durch die Gendarmerie verständigt worden und hatte noch in der Nacht 6 Beamte mit [[Sachverhalte: Die Polizeihunde | Polizeihunden]] an den Tatort entsandt. Der richterliche Augenschein fand am 4. und 5. ds. Mts., die [[Sachverhalte: Ergebnisse der Obduktion | Sektion der Leichen]] am 6. und 7. ds. Mts. statt. Die Ermordeten sind alle durch [[Sachverhalte: Die Verletzungen der Opfer | Schläge auf den Kopf]] getötet worden; die Art der Verletzungen weist auf den [[Sachverhalte: Weitere Tatwaffen | Gebrauch verschiedener Werkzeuge]] hin. Die Leiche der jungen Frau, die nicht weniger als 9 sternförmige Wunden am Kopfe aufwies, zeigte auch noch Würgespuren am Hals.
Der Mord war erst am Abend vorher ruchbar geworden, als [[Personen: Die Auffindungszeugen | Nachbarn]] aus der Ortschaft [[Orte: Gröbern|Gröbern]] unter Führung des Ortsführers [[Personen: Schlittenbauer Lorenz | Schlittenbauer]], durch die Abwesenheit [[Personen: Die Opfer von Hinterkaifeck | der Hofbewohner]] und das Brüllen des verlassenen [[Sachverhalte: Das Vieh auf Hinterkaifeck | Viehs]] stutzig gemacht, in das [[Sonstiges: Der Hof Hinterkaifeck | Anwesen]] eindrangen; am gleichen Abend wurde noch Amtsgericht und Gendarmerie Schrobenhausen verständigt. Auch die Polizeidirektion München war durch die Gendarmerie verständigt worden und hatte noch in der Nacht 6 Beamte mit [[Sachverhalte: Die Polizeihunde | Polizeihunden]] an den Tatort entsandt. Der richterliche Augenschein fand am 4. und 5. ds. Mts., die [[Sachverhalte: Ergebnisse der Obduktion | Sektion der Leichen]] am 6. und 7. ds. Mts. statt. Die Ermordeten sind alle durch [[Sachverhalte: Die Verletzungen der Opfer | Schläge auf den Kopf]] getötet worden; die Art der Verletzungen weist auf den [[Sachverhalte: Weitere Tatwaffen | Gebrauch verschiedener Werkzeuge]] hin. Die Leiche der jungen Frau, die nicht weniger als 9 sternförmige Wunden am Kopfe aufwies, zeigte auch noch Würgespuren am Hals.


Von den Ermordeten war Andreas Gruber im Jahre 1915 wegen Blutschande mit seiner Tochter Cäzilie Gabriel mit [[Sachverhalte: Strafprozess wegen Blutschande gegen Andreas Gruber und Viktoria Gabriel 1915 | 1 Jahr Zuchthaus und sie selbst mit 1 Jahr Gefängnis]] bestraft worden. Im September 1919 hatte der oben erwähnte Ortsführer Schlittenbauer von Gröbern, der natürliche Vater des ermordeten 2 ½ jährigen Knaben, nachdem er wegen Anerkennung der Vaterschaft und Alimentierung des Kindes in Anspruch genommen war, abermals gegen Gruber und seine Tochter [[Sachverhalte: Strafprozess wegen Blutschande gegen Andreas Gruber und Viktoria Gabriel 1920 | Strafanzeige wegen Blutschande]] erstattet; das Strafverfahren endete jedoch damals mit Freisprechen der beiden, nachdem Schlittenbauer sich mit der Kindmutter geeinigt und eine Abfindungssumme von 1800 M für das Kind bezahlt hatte. Bei der Sektion der Leiche der jungen Frau wurde festgestellt, dass eine neuerliche Schwangerschaft nicht bestand. Für Schlittenbauer, der selbst als verdächtig bezeichnet wurde, im übrigen aber allgemein als etwas sonderbarer, aber harmloser, gutmütiger und stets hilfsbereiter Mensch geschildert wird und selbst vermögend ist, ist ein Motiv der Tat nicht erkennbar.
Von den Ermordeten war Andreas Gruber im Jahre 1915 wegen Blutschande mit seiner Tochter Cäzilie Gabriel mit [[Sachverhalte: Strafprozess wegen Blutschande gegen Andreas Gruber und Viktoria Gabriel 1915 | 1 Jahr Zuchthaus und sie selbst mit 1 Jahr Gefängnis]] bestraft worden. Im September 1919 hatte der oben erwähnte Ortsführer Schlittenbauer von Gröbern, der natürliche Vater des ermordeten 2 ½ jährigen Knaben, nachdem er wegen Anerkennung der Vaterschaft und Alimentierung des Kindes in Anspruch genommen war, abermals gegen Gruber und seine Tochter [[Sachverhalte: Strafprozess wegen Blutschande gegen Andreas Gruber und Viktoria Gabriel 1920 | Strafanzeige wegen Blutschande]] erstattet; das Strafverfahren endete jedoch damals mit Freisprechen der beiden, nachdem Schlittenbauer sich mit der Kindmutter geeinigt und eine Abfindungssumme von 1800 M für das Kind bezahlt hatte. Bei der Sektion der Leiche der jungen Frau wurde festgestellt, dass eine neuerliche Schwangerschaft nicht bestand. Für Schlittenbauer, der selbst als verdächtig bezeichnet wurde, im übrigen aber allgemein als etwas sonderbarer, aber harmloser, gutmütiger und stets hilfsbereiter Mensch geschildert wird und selbst vermögend ist, ist ein Motiv der Tat nicht erkennbar.