Aussagen: 1952-05-14 Happ Andreas

Quelle

Staatsarchiv Augsburg

Detailinformationen

Datum

14. Mai 1952

Ort

Freising

Zugegen

Happ Andreas

Inhalt

Aktenzeichen: Gd 217/52

115

Amtsgericht
Freising
(Ermittlungsrichter).

Zeugen-Vernehmung

in der Untersuchung gegen Adolf Gump
Gegenwärtig:
Der Amtsrichter
Herzinger, Amtsgerichtsrat

Der stellv. Urkundsbeamte
Hanschmann, Just.Ang.

Freising, den 14. Mai 1952


Auf Ladung fand sich ein
der nachbenannte Zeuge
Der Zeuge wurde von dem Gegenstande der Vernehmung in
Kenntnis gesetzt
[Anm.: ergänzt: "eidesbelehrt"],
zur Wahrheitsangabe ermahnt und vernommen, wie folgt:


Zur Person: Happ, Andreas, 62 Jahre alt, verh.
Gerbermeister u. Bürgermeister in
Kranzberg, Lkrs. Freising, Hs.Nr. 38,

Zur Sache: Meine Angaben, die ich am 22.4.1952 nach bestem Wissen bei der Landpolizei gemacht habe, sind richtig. Ich kann heute keine anderen Angaben machen; ich nehme auf diese meine Angaben, die mir soeben wortdeutlich vorgelesen wurden, Bezug und mache sie zum Gegenstand meiner heutigen richterlichen Vernehmung.

Ergänzend möchte ich noch hinzufügen:
Das letzte Mal habe ich im Jahre 1943 mit Adolf Gump gesprochen. Er war damals auf Urlaub in Kranzberg, ich hatte meinen Gestellungsbefehl. Gump erzählte mir bei dieser Gelegenheit, er sie Gefangenen-Aufseher in einem Kriegsgefangenenlager in der Nähe von Würzburg. im Verlauf des Gespräches sagte Gump zu mir: "Vor etlichen Tagen habe ich einen umgelegt." Ich machte ihm deswegen Vorhalte und sagte zu ihm: "Wie kann man nur so einen wehrlosen Menschen umbringen?" Adolf Gump erzählte mir, der Kriegsgefangene sei aus der Umfriedung des Lagers herausgegangen und habe einen Apfel aufgehoben. Da es so etwas nicht gäbe, habe er ihn erschossen. Ich erklärte ihm, ich würde mich schämen, so etwas zu tun, und wies ihn darauf hin, daß er doch schon 1914/18 dabei gewesen sei und um solche Dinge wissen müsse; ich könnte es nicht verantworten, einen wehrlosen Menschen umzubringen. Gump erwiderte mir: "Du hast ja keine Schneid net; warte nur, wenn du einmal draußen bist, da werden sie dich schon aufzwiebeln." Er meinte damit offensichtlich die militärischen Vorgesetzten. Wir kamen nicht im Guten auseinander, nachdem ich zu Gump noch gesagt hatte: "Adolf, Respekt habe ich vor dir keinen mehr." Ich hörte nichts mehr von Gump, nachdem ich bald darauf selbst als Feldwebel nach Rußland kam. Glaublich im Herbst 1945, als ich schon wieder nach Hause gekommen war, hörte ich, daß Adolf Gump gegen Ende des Krieges durch einen Unglücksfall zu Tode gekommen sein soll. Seine Ehefrau Salome Gump wohnt meines Wissens jetzt in Tüntenhausen, Lkrs. Freising. Eine genauere Adresse ist mir nicht bekannt.
Die Katharina Hartl, geb. Koch (nicht Härtl), kenne ich, da sie in Kranzberg geboren ist und glaublich etwa 8 Jahre jünger wie ich ist. Glaublich in den Jahren 1921/1922, als Adolf Gump noch bei der Reichswehr war, sah ich ihn wiederholt mit der Katharina Hartl nach Freising fahren, als er mit einem Bagagewagen zu uns zum Hamstern herausgefahren war. Um diese Zeit hat mir die Hartl erzählt, Gump habe ihr erklärt, er bekomme als Versorgungsanwärter einmal eine Stellung und wolle sie heiraten. Auch Gump hat mir dies erzählt. Als aber Gump von der Reichswehr weg war und wieder als Korbmacher tätig war, hat ihn die Hartl fahren lassen. Frau Hartl ist heute in Kranzberg verheiratet mit Josef Hartl. der im Sägewerk arbeitet. Mehr ist mir hinsichtlich der Beziehungen des Adolf Gump zu Frau Katharina Hartl, damalige Frl. Koch, nicht bekannt. Auch sonst kann ich über Adolf Gump keine Angaben mehr machen.
v.g.u.u.
Happ Andreas

Der Zeuge wurde hierauf gesetzlich beeidigt.

[Anm.: Stempeleintragung:
Staatsanwaltschaft
16. MAI 1952
Augsburg]
Hanschmann

Verfügung: 1.) Abtragen im Gs.
2.) U mit Akr an den

Herrn Oberstaatsanwalt Augsburg

erledigt zurück.



Freising, den 15. Mai 1952
Amtsgericht Freising

Verbindung zum Mordfall Hinterkaifeck

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