Sachverhalte: Rund um die Vaterschaft von Josef Gruber
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Was
Josef Gruber war der uneheliche Sohn der Viktoria Gabriel.
Vater
Als mögliche Väter kommen laut Aktenlage nur Lorenz Schlittenbauer und Andreas Gruber in Frage!
Nachdem Josef Gruber geboren wurde, gab man Lorenz Schlittenbauer als Vater an. Schlittenbauer wies aber die Vaterschaft ab. Er zeigte umgehend Andreas Gruber und Viktoria Gabriel am 10.09.1919 wegen Blutschande an (siehe Zusammenstellung des StA. Pielmayer). Andreas Gruber wurde aufgrund der Anzeige am 13.09.1919 in Untersuchungshaft genommen.
Viktoria Gabriel soll Schlittenbauer dann bekniet haben, die Vaterschaft für Josef zu übernehmen. Sie würde ihm auch das nötige Geld, welches er in Form von Alimenten zurückzahlen sollte, "vorschiessen". Damit hätte er keine eigenen Ausgaben für Josef. Auch eine Heirat wurde ihm angeblich wieder in Aussicht gestellt. So könnte die Situation aus der Aussage von Schlittenbauer zu deuten sein.
Schlittenbauer nahm dann die Anzeige am 25.09.1919 vor dem Ermittlungsrichter zurück und kannte Josef am 30.09.1919 als seinen Sohn an. Zwischenzeitlich, am 27.09.1919, wurde Gruber aus der U-Haft entlassen (siehe Zusammenfassung des StA. Pielmayer).
Schlittenbauer machte eine Einmalzahlung, was zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches war, über 1800 Mark. Zuvor soll ihm Viktoria Gabriel 2000 Mark in bar und Wertpapiere über 3000 Mark gegeben haben. Nach Festlegung der Summe habe er das restliche Geld und die geldwerten Papier freiwillig zurück gegeben (siehe Aussage Schlittenbauer).
Andreas Gruber
Andreas Gruber war der leibliche Vater von Viktoria und unterhielt mit ich spätestens ab 1907 eine blutschänderische Beziehung, die 1915 vom Gericht mit Haftstrafen verurteilt wurde. Ob diese nach Verbüßung der Haftstrafen fortbestand ist unbekannt. Es existieren lediglich drei Aussagen darüber, daß es der Inzest fortgesetzt worden sein soll.
| Kreszenz Rieger,09.07.1952 | Eines Tages, es war im Frühjahr 1921, kam ich in den Stadel und wollte dem alten Gruber beim Aufladen eines Wasserfasses behilflich sein. Als ich dann in die Scheune kam, traf ich den Gruber im Stroh liegend an, wie er gerade mit seiner Tochter Viktoria den Geschlechtsverkehr ausübte. Ich weiß bestimmt, daß ich damals von der Viktoria Gabriel gesehen wurde. Dies deshalb, weil sie mir nachher sagte, daß, wenn sie das gewußt hätte, daß ich in den Stadel komme, sie sich ihrem Vater nicht hingegeben hätte. Bei einer anderen Gelegenheit hörte ich wie Andreas Gruber zu seiner Tochter, Frau Gabriel sagte, daß sie nicht heiraten brauche, denn solange er lebe ist er für“ dies“ da. Damit wollte er sagen, daß er seine Tochter in geschlechtlicher. Hinsicht immer befriedigen werde. Als Gruber dies sagte, waren die Beiden beim Instandsetzen des Taubenschlages im Getreideboden beschäftigt. Dies war nachdem ich die Beiden vorher im Stadel bei der Ausübung des Geschlechtsverkehrs überrascht habe. |
| Rieger, 09.07.1952, 2. Aussage | Gesehen habe ich nie, dass Gruber bei seiner Tochter, Frau Gabriel, im Bette gelegen sei. Dagegen habe ich die beiden einmal abends zwischen 7 und 8 Uhr in der Scheune überrascht, wie sie auf dem Stroh liegend den Geschlechtsverkehr ausübten. Nachher sagte Frau Gabriel zu mir, wenn sie gewusst hätte, dass ich in die Scheune käme, wäre sie nicht hinausgegangen. |
| Schlittenbauer vom 30.03.1931 | Wie ich dann kurz darauf seine Tochter wieder traf, sagte mir dieselbe, daß sie in der Hoffnung sei. Sie sagte auch, daß ich der Vater sei. Ich protestierte dagegen und sagte ihr:“ Da ist doch Dein Vater auch dabei“. Sie erwiderte darauf: „Das ist eben das bessere, daß ich sagen kann, Vater Du bist auch dabei, sonst täte er mich erschlagen“. |
Ob die Aussage des Lorenz Schlittenbauer aufgrund der vorherigen Suggestion …“ Da ist doch Dein Vater auch dabei“.. hier beweiskräftig ist, wird von uns nicht beurteilt.
Lorenz Schlittenbauer


Josef Gruber wurde am 7. September 1919 geboren. Am 30. September hat sich Lorenz Schlittenbauer laut Protokoll des Amtsgerichts Schrobenhausen als Vater bekannt. Dies ist auch auf dem Randvermerk der Geburtsurkunde (Abb. re.) vermerkt.
Am 1. Oktober wurde die Mutter vom Pfarrer vom Pfarrer wegen ihres unehelichen Kindes ermahnt. Als „Mitschuldig“ wird Lorenz Schlittenbauer eingetragen
Liebesverhältnis Viktoria Gabriel und Lorenz Schlittenbauer
Angaben des Schlittenbauer
Lorenz Schlittenbauer gab bereitwillig zu, mit der Viktoria Gabriel ein intimes Verhältnis gehabt zu haben. Er berichtet darüber in seiner Aussage vom 30.03.1931.
Nach dem Tode meiner Frau (15.10.1918) kam eines Tages die Viktoria Gabriel zu mir in den Heustadel, paßte mich dort ab und machte mir den Vorschlag, ich solle sie heiraten. Meine Frau war damals etwa 14 Tage tot. Ich sagte nicht „nein“, weil ich mir dachte, ich brauche für mein Anwesen doch wieder eine Frau. Sie bot sich mir auch gleich zum Geschlechtsverkehr an, ohne das ich einen diesbezüglichen Wunsch geäußert hatte. Indem sie mich packte, warf sie sich aufs Heu und so habe damals zum ersten male mit ihr verkehrt. In der darauffolgenden Zeit kam das noch einige male vor, einmal beim Gänseabstechen sagte sie auch zu mir: „Geh heiraten wir“ und nahm mich dabei mit in die Remise, wo sie mich zum Geschlechtsverkehr aufforderte. Mir ist so etwas bis dahin noch nie vorgekommen, daß ein Weib sich selbst so anbietet. Insgesamt werde ich mit ihr höchstens 5 mal Verkehr gehabt haben.
zeitliche Einordnung
- Lorenz Schlittenbauers gibt hier ein falsches Sterbedatum seiner ersten Ehefrau Viktoria, geb. Tyroller an. Diese starb am 14.07.1918.
- „Gänseabstechen“: Hiermit ist das Schlachten der Gänse gemeint, daß üblicherweise Ende Oktober bis Dezember stattfindet. Traditionell käme hier Martini (11.11.) in Frage.