Komplex Adolf Gump: Der Weg nach Oberschlesien: Unterschied zwischen den Versionen
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===Die Aufstände in Oberschlesien=== | ===Die Aufstände in Oberschlesien=== | ||
Zwischen Kriegsende und Abstimmungstag, dem 20. März 1921 – über die Frage der territorialen Zugehörigkeit eines Teiles der preußischen Provinz Oberschlesien kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen polnischen Einwohnern, die den Anschluss an Polen forderten, und deutschen Polizeieinheiten sowie Freikorps. Die Unruhen betrafen strenggenommen die ganze Zeit und eigentlich auch noch die Zeit nach dem Plebiszit, dennoch sind i.d. R. damit die drei bewaffneten Konflikte, die zwischen 1919 und 1921 im zum Deutschen Reich gehörenden Oberschlesien stattfanden, gemeint. | |||
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!1. Aufstand | |||
| 16./17.08.1919 -<br> 26.08.1919 | |||
|Der Aufstand blieb im Wesentlichen auf die (ehem.preuß.) Kreise Rybnik und Pleß beschränkt. Bei den Kämpfen kamen insgesamt etwa 500 Personen ums Leben, davon etwa 100 auf deutscher Seite | |||
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!2. Aufstand | |||
| 19.08.2020–<br> 25.081920 | |||
| Der zweite Aufstand war weniger ein breites Aufeinandertreffen der militanten Organisationen beider Seiten, sondern eher von Angriffen auf Zivilpersonen und punktuellen Kämpfen geprägt. Es kam zu bürgerkriegsähnlichen Gewalttaten wie dem Niederbrennen des überwiegend von evangelischen Deutschen bewohnten Dorfes Anhalt, wobei Unbekannte 14 Gehöfte in Brand setzten. In Loslau wurde ein Deutscher getötet und ein weiterer verletzt. Bei der kleinen Ortschaft Josefstal wurden bei einem Überfall zehn Erntearbeiter getötet, darunter einige polnischsprachige aus Ostpreußen. Insgesamt forderte der Aufstand mindestens 35 Tote und mehrere hundert Verletzte | |||
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!3. Aufstand | |||
| 03.05.1921-<br> 05.07.1921 | |||
| Der Aufstand wurde als Reaktion auf die Ergebnisse der Volksabstimmung und die sich daraus ergebenden möglichen Teilungspläne für Oberschlesien begonnen. Mit ihm sollte auf militärische Weise eine faktische polnische Kontrollzone geschaffen werden, die – so die Hoffnung der polnischen Seite – in den politischen Debatten dann nicht mehr ohne Weiteres übergangen werden konnte. Bereits die Plebiszitkampagnen beider Seiten waren von fortlaufender Gewalt und politischem Terror begleitet. Auf deutscher Seite verübte die Spezialpolizei des Oberschlesischen Selbstschutz laut Aussage ihres Leiters Heinz Hauenstein etwa 200 politische Morde im Auftrag staatlicher deutscher Stellen. | |||
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Gemäß des Versailler Vertrags sollten Teile des Grenzverlaufs zwischen Polen und Deutschland über Volksabstimmungen geregelt werden. Die Abstimmung, die große Teile der Provinz Oberschlesien betraf, wurde von einer Interalliierten Kommission durchgeführt, die hierfür im Rahmen einer zeitlich befristeten Autonomie von Februar 1920 bis Juli 1922 die Regierungsgewalt im betroffenen Gebiet ausübte. <br> | |||
Dies führte in Oberschlesien auf polnischer Seite zu erheblichen internen Spannungen. Die Nationaldemokratie unter ihrem in Oberschlesien führenden Kopf Wojciech Korfanty wollte unbedingt am Weg einer friedlichen politischen Lösung festhalten und schätzte ein Plebiszit als für die polnische Seite gewinnbar ein. Die paramilitärischen Kräfte der „Polska Organizacja Wojskowa Górnego Śląska“ ‚(dt. Polnische Militärorganisation Oberschlesien)‘ (POW GŚl), dem oberschlesischen Ableger der Polska Organizacja Wojskowa ‚Polnische Militärorganisation‘, drängten hingegen auf einen bewaffneten Aufstand, um unverzüglich Fakten zu schaffen. Dem standen die deutschen Freiwilligenverbände entgegen, die ab dem Frühjahr 1919 Freiwillige rekrutierten und bereits im Mai 1919 für die Ostgrenze 250.000 Mann konzentrieren hatte können. Mit allen verfügbaren Reserven rechnete man mit 400.000 einsatzfähigen Deutschen, während die Polen mit etwa 180.000 Mann verteidigen hätten können. <br> | |||
Aufgrund der konspirativen Operationsweise der „Bojowka Polska“ (Spezialpolizei der POW) sah sich die deutsche Seite offenbar veranlasst, eine in ziviler Kleidung agierende Kommandotruppe aufzubauen. Ihre Aufgaben bestanden in der Initiierung von Unruhen im besetzten Gebiet, Diebstählen und Einbrüchen zur Informationsbeschaffung, Gefangenenbefreiungen, Sprengstoffanschlägen und der Ermordung politischer Gegner.<br> | |||
===Straftaten der Kriminalabteilung Friedrich=== | ===Straftaten der Kriminalabteilung Friedrich=== | ||