Komplex Adolf Gump: Der Weg nach Oberschlesien: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Kategorie: Komplex Gump]] | |||
Um die Situation der Kämpfe in Oberschlesien und den Einsatz der Freikorps- und Freiwilligenverbände besser zu verstehen, ist es unumgänglich, sich mit den historischen Fakten vertraut zu machen. Aufgrund des Umfangs des Geschehens müssten wir an dieser Stelle viel zur Geschichte Polens beschreiben, was strenggenommen nicht in ein Wiki das sich mit dem Mordfall Hinterkaifeck beschäftigt gehört. Wir erlauben uns deshalb die Historie auf das Wesentliche beschränkt und mit externen Links widerzugeben.<br> | Um die Situation der Kämpfe in Oberschlesien und den Einsatz der Freikorps- und Freiwilligenverbände besser zu verstehen, ist es unumgänglich, sich mit den historischen Fakten vertraut zu machen. Aufgrund des Umfangs des Geschehens müssten wir an dieser Stelle viel zur Geschichte Polens beschreiben, was strenggenommen nicht in ein Wiki das sich mit dem Mordfall Hinterkaifeck beschäftigt gehört. Wir erlauben uns deshalb die Historie auf das Wesentliche beschränkt und mit externen Links widerzugeben.<br> | ||
Zum Einstieg verweisen wir auf die vom Historiker Bernhard Sauer verfasste Veröffentlichung „Auf nach Oberschlesien“, die als Digitalisat im PDF-Format [http://www.bernhard-sauer-historiker.de/sauer_oberschlesien.pdf hier] gelesen werden kann. Sauer beschreibt dort nachvollziehbar die Situation, die in Polen und den Ostprovinzen nach dem 1. Weltkrieg herrschte, und die schließlich zu den Schlesischen Aufständen führte.<br> | Zum Einstieg verweisen wir auf die vom Historiker Bernhard Sauer verfasste Veröffentlichung „Auf nach Oberschlesien“, die als Digitalisat im PDF-Format [http://www.bernhard-sauer-historiker.de/sauer_oberschlesien.pdf hier] gelesen werden kann. Sauer beschreibt dort nachvollziehbar die Situation, die in Polen und den Ostprovinzen nach dem 1. Weltkrieg herrschte, und die schließlich zu den Schlesischen Aufständen führte.<br> | ||
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|[[Aussagen: 1952-05-06 Schindler Magdalena|Aussage seiner ehem. Lebensgefährtin Magdalena Schindler, 1952]] | |[[Aussagen: 1952-05-06 Schindler Magdalena|Aussage seiner ehem. Lebensgefährtin Magdalena Schindler, 1952]] | ||
|<i>“in München hat er sich gestellt, dann ist er nach Oberschlesien kimma. Dös weiß ich noch gut, in der Knebelstraß 8 hat er sich gemeldet und da haben sie ihn gleich fort.“</i> <br>(Anm. HKnet: in der Knöbelstr. 8 wohnte der Gauleiter des Freikorps Oberland, Major | |<i>“in München hat er sich gestellt, dann ist er nach Oberschlesien kimma. Dös weiß ich noch gut, in der Knebelstraß 8 hat er sich gemeldet und da haben sie ihn gleich fort.“</i> <br>(Anm. HKnet: in der Knöbelstr. 8 wohnte der Gauleiter des Freikorps Oberland, Major Horadam) | ||
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Dies führte in Oberschlesien auf polnischer Seite zu erheblichen internen Spannungen. Die Nationaldemokratie unter ihrem in Oberschlesien führenden Kopf Wojciech Korfanty wollte unbedingt am Weg einer friedlichen politischen Lösung festhalten und schätzte ein Plebiszit als für die polnische Seite gewinnbar ein. Die paramilitärischen Kräfte der „Polska Organizacja Wojskowa Górnego Śląska“ ‚(dt. Polnische Militärorganisation Oberschlesien)‘ (POW GŚl), dem oberschlesischen Ableger der Polska Organizacja Wojskowa ‚Polnische Militärorganisation‘, drängten hingegen auf einen bewaffneten Aufstand, um unverzüglich Fakten zu schaffen. Dem standen die deutschen Freiwilligenverbände entgegen, die ab dem Frühjahr 1919 Freiwillige rekrutierten und bereits im Mai 1919 für die Ostgrenze 250.000 Mann konzentrieren hatte können. Mit allen verfügbaren Reserven rechnete man mit 400.000 einsatzfähigen Deutschen, während die Polen mit etwa 180.000 Mann verteidigen hätten können. <br> | Dies führte in Oberschlesien auf polnischer Seite zu erheblichen internen Spannungen. Die Nationaldemokratie unter ihrem in Oberschlesien führenden Kopf Wojciech Korfanty wollte unbedingt am Weg einer friedlichen politischen Lösung festhalten und schätzte ein Plebiszit als für die polnische Seite gewinnbar ein. Die paramilitärischen Kräfte der „Polska Organizacja Wojskowa Górnego Śląska“ ‚(dt. Polnische Militärorganisation Oberschlesien)‘ (POW GŚl), dem oberschlesischen Ableger der Polska Organizacja Wojskowa ‚Polnische Militärorganisation‘, drängten hingegen auf einen bewaffneten Aufstand, um unverzüglich Fakten zu schaffen. Dem standen die deutschen Freiwilligenverbände entgegen, die ab dem Frühjahr 1919 Freiwillige rekrutierten und bereits im Mai 1919 für die Ostgrenze 250.000 Mann konzentrieren hatte können. Mit allen verfügbaren Reserven rechnete man mit 400.000 einsatzfähigen Deutschen, während die Polen mit etwa 180.000 Mann verteidigen hätten können. <br> | ||
Aufgrund der konspirativen Operationsweise der „Bojowka Polska“ (Spezialpolizei der POW) sah sich die deutsche Seite offenbar veranlasst, eine in ziviler Kleidung agierende Kommandotruppe aufzubauen. Ihre Aufgaben bestanden in der Initiierung von Unruhen im besetzten Gebiet, Diebstählen und Einbrüchen zur Informationsbeschaffung, Gefangenenbefreiungen, Sprengstoffanschlägen und der Ermordung politischer Gegner.<br> | Aufgrund der konspirativen Operationsweise der „Bojowka Polska“ (Spezialpolizei der POW) sah sich die deutsche Seite offenbar veranlasst, eine in ziviler Kleidung agierende Kommandotruppe aufzubauen. Ihre Aufgaben bestanden in der Initiierung von Unruhen im besetzten Gebiet, Diebstählen und Einbrüchen zur Informationsbeschaffung, Gefangenenbefreiungen, Sprengstoffanschlägen und der Ermordung politischer Gegner.<br> | ||
====Straftaten der Kriminabteilung Fischer==== | |||
Nicht nur die Spezialpolizei des Oberschlesischen Selbstschutz verübte politische Morde und beging Straftaten, auch Mitglieder der Kriminabteilung Fischer terrorisierten die Bevölkerung, begingen Diebstähle und mordeten. | |||
Die zuständigen Ermittlungsbehörden verfolgten mehrere Angehörige der Abteilung, hier sind die mit der Beteiligung der vier von Reingruber gesuchten Personen, die in den Dokumenten als „Friedrich und Genossen“ bezeichnet werden :<br> | |||
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! rowspan="2"style="text-align:center;"| Friedrich und Genossen | |||
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|[[Personen: Friedrich Ernst|Ernst Friedrich]]<br> [[Personen: Dressel Wilhelm|Wilhelm Dressel]]<br> [[Personen: Gump Adolf|Adolf Gump]]<br> [[Personen: Mussweiler Josef|Josef Mussweiler]]<br> und [[Personen: Seirer Eduard|Eduard Seirer]] | |||
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{| class="wikitable" | |||
!Aktenzeichen des Verfahrens | |||
!Beschuldigte | |||
! Straftat | |||
!Status | |||
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|2 J.1376/13 Neiße<br>C=DL 13/22 AG Ziegenhals | |||
|[[Personen: Friedrich Ernst|Friedrich Ernst]]<br>[[Personen: Dressel Wilhelm|Dressel Wilhelm]] | |||
|Anstiftung zum xxx Diebstahl | |||
|Hauptverfahren ist öffentlich | |||
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|2 J. 9771/21 Neiße<br>2 J.04/22 Neiße<br>C=5 DL 7/22 AG Ziegenhals | |||
|[[Personen: Friedrich Ernst|Friedrich Ernst]] und Genossen | |||
|Unterschlagung, xxx und einfacher Diebstahl | |||
|Hauptverfahren ist öffentlich | |||
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|4 J. 1425/19 Oppeln | |||
|[[Personen: Gump Adolf|Adolf Gump]]<br>[[Personen: Friedrich Ernst|Ernst Friedrich]]<br>[[Personen: Seirer Eduard|Eduard Seirer]]<br> [[Personen: Dressel Wilhelm|Wilhelm Dressel]] | |||
|Ermordung des Gastwirts Walenczyk | |||
|Voruntersuchung eröffnet, Gump ist flüchtig | |||
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|2 J. 990/21 | |||
| [[Personen: Mussweiler Josef|Mussweiler]]<br>Weyland | |||
|Meineid | |||
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|4 J. 1425/21 Oppeln | |||
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*[[Personen: Gump Adolf|Adolf Gump]] | |||
*[[Personen: Friedrich Ernst|Ernst Friedrich]] | |||
*[[Personen: Mussweiler Josef|Mussweiler Josef]] | |||
*[[Personen: Dressel Wilhelm|Wilhelm Dressel]] | |||
|Ermordung von neun Bauern lt. Fahndungsersuchen Reingruber | |||
|Strafverfahren am Landgericht Oppeln erhoben | |||
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<div align="right>[[Netzwerk und Diagramme im Komplex Gump| Netzwerk und Diagramme]]</div>[[Datei:Pfeil.png|rechts|verweis=Netzwerk und Diagramme im Komplex Gump]] | |||
===Quellen=== | ===Quellen=== | ||