Wissen: Fingerabdrücke: Unterschied zwischen den Versionen
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==Was== | ==Was== | ||
Ein Fingerabdruck bzw. Daktylogramm ist individuell und einzigartig. Jeder Mensch hat ein unverwechselbares Muster von Hautleisten, das sich von dem jedes anderen Menschen unterscheidet, sogar von eineiigen Zwillingen. | Ein Fingerabdruck bzw. Daktylogramm ist individuell und einzigartig. Jeder Mensch hat ein unverwechselbares Muster von Hautleisten, das sich von dem jedes anderen Menschen unterscheidet, sogar von eineiigen Zwillingen.Fingerabdrücke heißen bei Medizinern Papillarleisten. Sie befinden sich überall auf unserem Körper auf der obersten Hautschicht. An den Fingern sind sie besonders ausgeprägt. Der Fingerabdruck wird daher in der Strafverfolgung benutzt.<br> | ||
Fingerabdrücke heißen bei Medizinern Papillarleisten. Sie befinden sich überall auf unserem Körper auf der obersten Hautschicht. An den | |||
Bis zum Durchbruch der Daktyloskopie zur Personenidentifizierung wurde ab circa 1880 die sogenannte „Bertillonage“ zur Personenidentifizierung angewandt, ein von Alphonse Bertillon entwickeltes anthropometrisches System.<br> | |||
Hierbei wurde die Person mit einer eigens dafür von Bertillon entwickelten Gerätschaft fotografiert und auf eine Karteikarten aufgeklebt. Diese ''Personenkenn''<u>karte</u> wurde um anthropometrische Angaben nach einer präzise vorgegebenen Nomenklatur ergänzt.<br> | |||
Zur eindeutigen Identifizierung einer Person legte Bertillon die folgenden elf Körpermaße fest:<br> | |||
# Körperlänge | |||
# Armspannweite | |||
# Sitzhöhe | |||
# Kopflänge | |||
# Kopfbreite | |||
# Länge des rechten Ohres | |||
# Breite des rechten Ohres (später ersetzt durch Jochbeinbreite) | |||
# Länge des linken Fußes | |||
# Länge des linken Mittelfingers | |||
# Länge des linken Kleinfingers | |||
# Länge des linken Unterarmes | |||
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Datei:Bertillons Apparat zu Aufnahme signaletischer Porträts.jpg| Bertillons Apparat zu Aufnahme signaletischer Porträts | |||
Datei:Rutheven-2.jpg| <b>Bertillon Kartei</b> aus 1900 | |||
Datei:Vornahme der Messungen.jpg|Vornahme der Messungen | |||
Datei:Messung der Länge des rechten Ohres.jpg|Messung der Länge des rechten Ohres | |||
</gallery></div> | |||
===Das Ende der Bertillonage / der Der Fall Will und William West=== | |||
Die Bertillonage ist der Daktyloskopie aus verschiedenen Gründen unterlegen. Das System ist sehr komplex und punktuell fehleranfällig. Die Möglichkeit von Verwechslungen konnte auch bei Abnahme von elf Körpermaßen nicht zu 100 % ausgeschlossen werden.Wegen Ungenauigkeiten beim Abmessen der Körperlängen musste man stets einige Millimeter Abweichung tolerieren, da die Endpunkte nicht exakt festgelegt werden konnten. <br> | |||
[[Datei:Will und William West-Doppelgängerfall.png|thumb|100px|Fotografien und Fingerabdrücke von (a) Will und (b) William West]] | |||
In den Vereinigten Staaten trat 1903 eine Fehlbarkeit des Systems zu Tage: <br> | |||
Am 1. Mai 1903 wurde ein Afroamerikaner namens Will West in das US-Gefängnis in Leavenworth eingeliefert. Wie jeder andere neue Häftling wurde West dem üblichen Aufnahmeverfahren / d. Bertillonage unterzogen. Anhand von Wests Maßen und Beschreibung konnten die Beamten ihn mit der Akte von William West abgleichen, der bereits wegen Mordes verurteilt worden war und im gleichen Gefängnis seine Strafe absaß.<br> | |||
Will West: 178.5, 187.0, 91.2, 19.7, 15.8, 14.8, 6.6, 28.2, 12.3, 9.7, 50.2 | |||
William West: 177.5, 188.0, 91.3, 19.8, 15.9, 14.8, 6.5, 27.5, 12.2, 9.6, 50.3 | |||
Wegen Ungenauigkeiten beim Abmessen der Körperlängen musste man stets einige Millimeter Abweichung tolerieren, da die Endpunkte nicht exakt festgelegt werden konnten. | |||
„Anhand der so erhaltenen Bertillon-Messungen ging [der Protokollführer] zur Akte und kam mit der für die Messungen erforderlichen Karte zurück, die ordnungsgemäß ausgefüllt war, und den Namen ‚William West‘ trug.“ Diese Karte wurde dem Gefangenen gezeigt, der erstaunt grinste und sagte:<br> | |||
„Das ist mein Bild, aber ich weiß nicht, wo Sie es herhaben, denn ich bin noch nie hier gewesen.“ Der Archivar drehte die Karte um und las die Einzelheiten vor, darunter die Aussage, dass dieser Mann bereits in derselben Anstalt inhaftiert war und am 9. September 1901 wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden war.<br> | |||
Der zweite West wurde gerufen und sah dem ersten verblüffend ähnlich. Anschließend wurden die Fingerabdrücke von Will West und William West verglichen. Die Muster wiesen keine Ähnlichkeit auf. | |||
==Historisches== | ==Historisches== | ||
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===Alphonse Bertillon=== | ===Alphonse Bertillon=== | ||
Alphonse Bertillon war ein französischer Kriminalist und Anthropologe. Das von ihm entwickelte anthropometrische System zur Personenidentifizierung wurde zu seinen Ehren später Bertillonage genannt.<br> | Alphonse Bertillon war ein französischer Kriminalist und Anthropologe. Das von ihm entwickelte anthropometrische System zur Personenidentifizierung wurde zu seinen Ehren später Bertillonage genannt.<br> | ||
Das System wurde unter anderem in Großbritannien, Frankreich, den USA und Deutschland eingesetzt, jedoch wegen punktueller Ungenauigkeiten in der Identifikation und hohem Aufwand weltweit nach wenigen Jahrzehnten durch das mit wesentlich weniger Aufwand durchzuführende Fingerabdruckverfahren als Identifizierungssystem weitgehend abgelöst.<br> | Das System wurde unter anderem in Großbritannien, Frankreich, den USA und Deutschland eingesetzt, jedoch wegen punktueller Ungenauigkeiten in der Identifikation und hohem Aufwand weltweit nach wenigen Jahrzehnten durch das mit wesentlich weniger Aufwand durchzuführende Fingerabdruckverfahren als Identifizierungssystem weitgehend abgelöst.<br> | ||
Bertillon war ein Gegner der Daktyloskopie (Fingerabdruckverfahren), die er für ungenau hielt. Trotzdem gelang ihm selbst 1902 die erste Identifizierung eines Mörders in Europa anhand eines Fingerabdrucks. Der Erfolg konnte Bertillon jedoch nicht umstimmen, der die Daktyloskopie weiterhin ablehnte und in der Folgezeit nur ungern über diesen Fall sprach. <br> | Bertillon war ein Gegner der Daktyloskopie (Fingerabdruckverfahren), die er für ungenau hielt. Trotzdem gelang ihm selbst 1902 die erste Identifizierung eines Mörders in Europa anhand eines Fingerabdrucks. Der Erfolg konnte Bertillon jedoch nicht umstimmen, der die Daktyloskopie weiterhin ablehnte und in der Folgezeit nur ungern über diesen Fall sprach. <br> | ||
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===Sir Edward Richard Henry=== | ===Sir Edward Richard Henry=== | ||
[[Datei:Edward richard Henry.jpg|thumb|130px]] | |||
Sir Edward Richard Henry, 1. Baronet (1850-1931) wurde am 2. April 1891 zum Generalinspekteur der Polizei von Bengalen ernannt. Er hatte bereits Briefe mit Francis Galton über die Verwendung von Fingerabdrücken zur Identifizierung von Kriminellen ausgetauscht, entweder anstelle oder zusätzlich zur anthropometrischen Methode von Alphonse Bertillon , die Henry in der Polizeibehörde von Bengalen einführte.<br> | Sir Edward Richard Henry, 1. Baronet (1850-1931) wurde am 2. April 1891 zum Generalinspekteur der Polizei von Bengalen ernannt. Er hatte bereits Briefe mit Francis Galton über die Verwendung von Fingerabdrücken zur Identifizierung von Kriminellen ausgetauscht, entweder anstelle oder zusätzlich zur anthropometrischen Methode von Alphonse Bertillon , die Henry in der Polizeibehörde von Bengalen einführte.<br> | ||
Am 12. Juni 1897 stimmte der Rat des Generalgouverneurs von Indien dem Bericht eines Ausschusses zu, der vorschlug, künftig Fingerabdrücke zur Klassifizierung von Strafregistern zu verwenden. Der Bericht betonte, dass die Methode der Fingerabdrucknahme einfach, kostengünstig und genauer sei als die zuvor verwendete anthropometrische Technik (Bertillonage).<br> | Am 12. Juni 1897 stimmte der Rat des Generalgouverneurs von Indien dem Bericht eines Ausschusses zu, der vorschlug, künftig Fingerabdrücke zur Klassifizierung von Strafregistern zu verwenden. Der Bericht betonte, dass die Methode der Fingerabdrucknahme einfach, kostengünstig und genauer sei als die zuvor verwendete anthropometrische Technik (Bertillonage).<br> | ||
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{| class="wikitable" style="width:100%;" | {| class="wikitable mw-collapsible mw-collapsed""style="width:100%;" | ||
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! Jahr | ! Jahr | ||
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*83 Personen konnten identifiziert werden | *83 Personen die falsche Namen trugen konnten identifiziert werden | ||
| 12719 | | 12719 | ||
|[https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb00130942_00561_u001?page=1 Münchner neueste Nachrichten] | |[https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb00130942_00561_u001?page=1 Münchner neueste Nachrichten] | ||
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*Identifizierung von 216 Personen | *Identifizierung von 216 Personen die falsche Namen trugen | ||
* 146 Aufnahmen von Fingerabdrücken an Tatorten | * 146 Aufnahmen von Fingerabdrücken an Tatorten | ||
| 27.613 | | 27.613 | ||
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| 12.434 | | 12.434 | ||
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*Identifizierung von 373 Personen | *Identifizierung von 373 Personen die falsche Namen trugen | ||
*11 Personen konnten durch Fingerabdrücke am Tatort überführt werden | *11 Personen konnten durch Fingerabdrücke am Tatort überführt werden | ||
| 19.107 | | 19.107 | ||
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|20.765 | |20.765 | ||
| | | | ||
*Identifizierung von 474 Personen | *Identifizierung von 474 Personen die falsche Namen trugen | ||
*24 Personen wurden durch Fingerabdrücke am Tatort überführt | *24 Personen wurden durch Fingerabdrücke am Tatort überführt | ||
| 46.720 | | 46.720 | ||
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| 6383<br> davon:5085 ♂ u. <br>1298 ♀ | | 6383<br> davon:5085 ♂ u. <br>1298 ♀ | ||
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*Identifizierung von 333 Personen | *Identifizierung von 333 Personen die falsche Namen trugen | ||
*28 Personen konnten durch Fingerabdrücke am Tatort überführt werden | *28 Personen konnten durch Fingerabdrücke am Tatort überführt werden | ||
|102.049 | |102.049 | ||
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|- | |- | ||
| 1920 | | 1920 | ||
| colspan="2" style="text-align:center;"| 7300 | |||
|7511 | |||
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* Identifikation von 498 Personen die falsche Namen trugen | |||
*Identifikation von 3 unbekannten Leichen | |||
*73 Personen konnten durch Fingerabdrücke am Tatort überführt werden | |||
| 151.788 | |||
|[https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb00133271_00123_u001?page=1 Münchner neueste Nachrichten] | |||
| | | | ||
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| 1921 | |||
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| | | | ||
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*Identifikation von 512 Personen die falsche Namen trugen | |||
*Identifikation von 7 unbekannten Leichen | |||
*65 Personen konnten durch Fingerabdrücke am Tatort überführt werden | |||
|167.537 | |||
|[https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb00133486_00105_u001?page=4 Münchner neueste Nachrichten] | |||
|- | |||
| 1922 | |||
| colspan="2" style="text-align:center;"|6762 | |||
| | | | ||
| | | | ||
*Identifikation von 552 Personen die falsche Namen trugen | |||
*Identifikation von 3 unbekannten Leichen | |||
| 185.006 | |||
| [https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb00133543_00161_u001?page=1 Münchner neueste Nachrichten] | |||
|} | |} | ||
==Anlage und Archivierung== | ==Anlage und Archivierung== | ||
===Die Erstellung=== | |||
Um einen guten Abdruck eines Fingers zu erhalten, muss ein sichtbarer Abdruck entstehen. Dies kann klassisch durch einen Farbdruck. Bei einem Farbabdruck wird der Finger mit einer Farbe bestrichen und anschließend mit gleichmäßigem Druck von einer Seite zur anderen gerollt. Dies muss jedoch geübt sein, da ansonsten ein nicht verwertbarer Abdruck durch Verzerrung entsteht. Diese Methode hat den Vorteil, dass durch das Abrollen ein Abdruck der gesamten Fingerbeere entsteht.<br> | |||
Im 1908 erschienenen Buch „Handbuch für Untersuchungsrichter als System der Kriminalistik“ von [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Gross_(Kriminologe) Hans Gross] wird der Vorteil der Daktyloskopie gegenüber der bis dahin verwendeten Bertillonage wie folgt beschrieben:<br> | |||
# Das erforderliche Zubehör, ein Stück Blech, eine Gummiwalze und etwas Druckerschwärze ist überall leicht und billig zu haben. | |||
# Jede Person kann nach einer halbstündigen Übung deutliche Fingerabdrücke aufnehmen. | |||
#Die Fingerabdrücke können von jedem Polizeibeamten an jedem beliebigen Orte aufgenommen werden. | |||
#Die Fingerabdrücke sind absolute Abdrücke, die von dem Körper selbst unter Bedingungen aufgenommen werden, die einen Fehler in Bezug auf Abschreiben oder Eintragen ausschliessen. Zur Kontrolle der richtigen Reihenfolge der gerollten Abdrücke dient der Vergleich mit den einfachen Abdrücken. | |||
# Die Abdrücke der 10 Finger können in weniger als 1/4 der Zeit, die für die Messung notwendig ist, aufgenommen werden. | |||
#. Es ist keine Aufzeichnung von Merkmalen oder Narben notwendig, infolgedessen braucht sich die Person nicht ihrer Kleider zu entledigen. | |||
# Die Muster und die Papillarlinien, die jene bilden, behalten ihre Eigenschaften absolut unverändert durchs ganze Leben. | |||
# Da Fehler des Aufnehmenden ausgeschlossen sind, gibt es keine Doppelrecherchen. | |||
===Klassifikation=== | ===Klassifikation=== | ||
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Das sogenannte Henry-System zur Klassifizierung von Fingerabdrücken wurde von zwei indischen Polizeibeamten den Unterinspektoren [https://en.wikipedia.org/wiki/Qazi_Azizul_Haque Azizul Haque] und [https://en.wikipedia.org/wiki/Hem_Chandra_Bose Chandra Bose] entwickelt. Als Sir Edward Henry mit der Untersuchung von Fingerabdrücken begann, arbeiteten Haque und Bose bereits im Anthropometrischen Büro. Diese beiden Polizeibeamten spielten eine führende Rolle bei der Entwicklung der Klassifizierungsmethode.<br> | Das sogenannte Henry-System zur Klassifizierung von Fingerabdrücken wurde von zwei indischen Polizeibeamten den Unterinspektoren [https://en.wikipedia.org/wiki/Qazi_Azizul_Haque Azizul Haque] und [https://en.wikipedia.org/wiki/Hem_Chandra_Bose Chandra Bose] entwickelt. Als Sir Edward Henry mit der Untersuchung von Fingerabdrücken begann, arbeiteten Haque und Bose bereits im Anthropometrischen Büro. Diese beiden Polizeibeamten spielten eine führende Rolle bei der Entwicklung der Klassifizierungsmethode.<br> | ||
Schon bevor sie mit der Arbeit an Fingerabdrücken begannen, erkannten Henry, Haque und Bose, dass eine Vereinfachung der Strafregister auf der Grundlage einer mathematischen Formel erfolgen musste. Sie beobachteten, dass Fingerabdruckmuster in drei große Gruppen unterteilt werden können: Bögen, Schleifen und Wirbel | |||
Schon bevor sie mit der Arbeit an Fingerabdrücken begannen, erkannten Henry, Haque und Bose, dass eine Vereinfachung der Strafregister auf der Grundlage einer mathematischen Formel erfolgen musste. Sie beobachteten, dass Fingerabdruckmuster in drei große Gruppen unterteilt werden können: Bögen, Schleifen und Wirbel. Bei der Analyse der Fingermuster von mehreren tausend Personen stellten die Polizeibeamten fest, dass fast 5 % der Finger ein Bogenmuster, 60 % ein Schleifenmuster und 35 % ein Wirbelmuster aufweisen. Da statistisch gesehen zu wenige Finger ein Bogenmuster aufweisen, wird dieses Muster mit Schleifen kombiniert. Es gibt nun zwei Kategorien von Fingerleisten.<br> | |||
Schleifen (einschließlich Bögen): L (für englisch <b>L</b>oops<br> | Schleifen (einschließlich Bögen): L (für englisch <b>L</b>oops<br> | ||
Wirbel: '''W'''horls<br> | Wirbel: '''W'''horls<br> | ||
Als Nächstes werden die zehn Finger in fünf Paare gruppiert. Die rechte Hand (R) wird mit der Handfläche nach unten nach links gelegt, während die linke Hand (L) mit der Handfläche nach oben nach rechts gelegt wird. Die Paare werden in der folgenden Bruchform angeordnet:<br> | Als Nächstes werden die zehn Finger in fünf Paare gruppiert. Die rechte Hand (R) wird mit der Handfläche nach unten nach links gelegt, während die linke Hand (L) mit der Handfläche nach oben nach rechts gelegt wird. Die Paare werden in der folgenden Bruchform angeordnet:<br> | ||
Im ersten Paar, bestehend aus rechtem Zeigefinger und rechtem Daumen, gibt es vier Möglichkeiten. (i) Rechter Zeigefinger ist L, rechter Daumen ist W. (ii) Rechter Zeigefinger ist W, rechter Daumen ist L. (iii) Beide sind L. (iv) Beide sind W. Diese vier Möglichkeiten gibt es auch in allen anderen Paaren.<br> | Im ersten Paar, bestehend aus rechtem Zeigefinger und rechtem Daumen, gibt es vier Möglichkeiten. (i) Rechter Zeigefinger ist L, rechter Daumen ist W. (ii) Rechter Zeigefinger ist W, rechter Daumen ist L. (iii) Beide sind L. (iv) Beide sind W. Diese vier Möglichkeiten gibt es auch in allen anderen Paaren.<br> | ||
Das Henry-Klassifizierungssystem weist jedem Finger eine Nummer zu, entsprechend der Reihenfolge, in der er sich an der Hand befindet, beginnend mit dem rechten Daumen als Nummer 1 und endend mit dem linken kleinen Finger als Nummer 10. Das System weist auch Fingern, die ein Wirbelmuster aufweisen, einen numerischen Wert zu; die Finger 1 und 2 haben jeweils den Wert 16, die Finger 3 und 4 den Wert 8 und so weiter, wobei die letzten beiden Finger den Wert 1 haben. Finger ohne Wirbelmuster, wie z. B. ein Bogen- oder Schleifenmuster, haben den Wert Null. Es handelt sich im Grunde um den Vorläufer des heute verwendeten AFIS, welches die Fingerabdrücke mittels Computer geometrisch und topografisch analysiert.<br> | |||
{|class="wikitable" style="border: 5px | {|class="wikitable" style="border: 5px | ||
| Zeile 224: | Zeile 299: | ||
Wir betrachten nun ein Beispiel eines Sträflings, dessen rechter Daumen, rechter Ringfinger, linker Mittelfinger, linker Zeigefinger und linker Ringfinger Wirbelmuster (W) und die übrigen Schlingenmuster (L) aufweisen. Die Ablageformel lässt sich wie folgt berechnen:<br> | Wir betrachten nun ein Beispiel eines Sträflings, dessen rechter Daumen, rechter Ringfinger, linker Mittelfinger, linker Zeigefinger und linker Ringfinger Wirbelmuster (W) und die übrigen Schlingenmuster (L) aufweisen. Die Ablageformel lässt sich wie folgt berechnen:<br> | ||
{| class="wikitable" | {|class="wikitable" | ||
|- | |- | ||
! | ! Finger | ||
|I | |||
|II | |||
|III | |||
|IV | |||
|V | |||
|- | |- | ||
! | ! Anordnung | ||
| L/W | |||
| W/L | |||
|L/L | |||
| W/W | |||
|L/W | |||
|- | |- | ||
! | ! Zahlenwert | ||
| 0/16 | |||
| 8/0 | |||
| 0/0 | |||
| 2/2 | |||
| 0/1 | |||
|- | |- | ||
! | ! Summe | ||
| 10/19 | |||
| | |||
| | |||
| | |||
| | |||
|- | |- | ||
! | ! Ergänzung (*) | ||
| 1/1 | |||
| | |||
| | |||
| | |||
|- | |- | ||
!Ergebnis | !Ergebnis | ||
|colspan="5"|<big>'''11/20'''</big> | |colspan="5"|<big>'''11/20'''</big> | ||
|} | |} | ||
'''Die Fingerabdrücke dieser Person würden in der 11. Akte des 20. Schranks gefunden werden.'''<br> | '''Die Fingerabdrücke dieser Person würden in der 11. Akte des 20. Schranks gefunden werden.'''<br> | ||
| Zeile 269: | Zeile 346: | ||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
Die Zahlen zur Statistik sind direkt verlinkt<br> | |||
[https://de.wikipedia.org/wiki/Fingerabdruck Wikipedia]<br> | [https://de.wikipedia.org/wiki/Fingerabdruck Wikipedia]<br> | ||
[https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/hautarzt-%C3%BCber-einzigartigkeit-des-fingerabdrucks Hautarzt über Einzigartigkeit des Fingerabdrucks"Ein Fingerabdruck ist so individuell wie ein QR-Code"]<br> | [https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/hautarzt-%C3%BCber-einzigartigkeit-des-fingerabdrucks Hautarzt über Einzigartigkeit des Fingerabdrucks"Ein Fingerabdruck ist so individuell wie ein QR-Code"]<br> | ||
| Zeile 284: | Zeile 362: | ||
[https://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Galton Wikipedia Francis Galton]<br> | [https://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Galton Wikipedia Francis Galton]<br> | ||
[https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/verbrechen/kriminalistik/fingerabdruecke-100.html Planet Wissen Fingerabdrücke]<br> | [https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/verbrechen/kriminalistik/fingerabdruecke-100.html Planet Wissen Fingerabdrücke]<br> | ||
[https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Classification_System Henry-Klassifikationssystem]<br> | |||
[https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/9727179 Diplomarbeit Die einzigartige Identität: Wie Daktyloskopie zur Identifizierung von Personen und zur Kriminalitätsbekämpfung beiträgt]<br> | |||
Handbuch für Untersuchungsrichter als System der Kriminalistik von Hans Gross<br> | |||